80 Kilometer – 2 Welterbestätten – Zeitreise in das Spätmittelalter und die Prähistorie
Bei dieser dreitägigen Tour durch die idyllischen Weinlandschaften an Saale und Unstrut öffnet sich für dich mit der geheimnisvollen Himmelsscheibe von Nebra eine Tür in die Welt der prähistorischen Menschen in Sachsen-Anhalt. Du spürst in Halle die Aura des Originals, erlebst im spektakulären Museum für Vorgeschichte auch andere wertvolle Fundstücke. Schließlich besuchst du den Fundort der Himmelsscheibe in Nebra. Unterwegs erwartet dich vorher aber noch ein anderes Welterbe-Bauwerk: der einzigartige Naumburger Dom.
Auf dieser Etappe entdeckst du:






So könnte deine 3-Tage-Tour aussehen
Tag 1: Halle (Saale)
Vormittag
Die fein gearbeitete Himmelsscheibe von Nebra hat eine fast schon mystische Ausstrahlung, du solltest sie dir unbedingt einmal im Original ansehen. Starte deinen Tag daher mit einem Besuch im Landesmuseum für Vorgeschichte. Die preisgekrönte Dauerausstellung mit ihren inszenierten Räumen nimmt dich mit auf eine Reise durch etwa 450.000 Jahre Menschheitsgeschichte, von der Steinzeit bis zur frühen Neuzeit. Das Original der Himmelsscheibe nimmt dabei einen zentralen Platz ein, als herausragender Fund der Bronzezeit. Für deinen Besuch solltest du etwa drei Stunden einplanen. Anschließend: Mittagspause, z. B. im dortigen Café oder im Herzen der Stadt am Marktplatz (etwa 30 Gehminuten entfernt).






Nachmittag
Du hast die Wahl: Spannend ist zum Beispiel ein Besuch der Franckeschen Stiftungen, eines Welterbe-Kandidaten ganz in der Nähe des Marktplatzes. Auf dem Gelände der einzigartigen barocken Schulstadt kannst du dir die Einrichtungen von einst anschauen. In einigen Gebäuden sind spannende Ausstellungen zu sehen, etwa die barocke Kunst- und Naturalienkammer, eine historische Bibliothek sowie eine Ausstellung zur Pietisten-Bewegung.
Oder du reist – inspiriert von der Himmelsscheibe – zu den Sternen: beim Besuch des Planetariums – es ist das größte und modernste in Sachsen-Anhalt. Dort erlebst du unter einer riesigen Kuppel die Milchstraße, lernst die dunkle Materie oder den Südsternhimmel kennen. Tickets am besten vorab online buchen!






Abend
Den Tag lässt du auf der „Kleinen Ulli“ ausklingen, wie die Restaurant- und Kneipenmeile zwischen Kunstmuseum Moritzburg und Universität liebevoll im hallischen Volksmund genannt wird.






Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale)
Die Aura der Originale im inszenierten Raum: Das mehrfach preisgekrönte Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle präsentiert weit mehr als die einzigartige Himmelsscheibe von Nebra, die zum Weltdokumentenerbe gehört. Es gibt dort besonders viele hochkarätige Funde zu erleben. Diese werden im Rahmen von Inszenierungen gezeigt, die jede Epoche auf künstlerische Art und Weise charakterisieren. Während man durch die Jahrtausende wandelt, begegnet man nachdenklichen Neandertalern und Gletschern, die aus der Decke wachsen. Man entdeckt römische Welten bei den Germanen und begibt sich auf die Spuren früher Alchemisten. Aus über zwei Millionen Funden insgesamt wurden jene ausgewählt, die besonders herausragend sind – ästhetisch oder inhaltlich.
Der Zauber von Merseburg
„Eiris sazun idisi“, beginnt der erste der beiden Sprüche, die in der Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg entdeckt wurden. Sie zählen zu den raren, auf Althochdeutsch überlieferten Texten. Ihr Rhythmus entwickelt einen magischen Sog, sie sind einprägsam aufgrund ihrer Stab- und Endreime. Sie erzählen von einem angeblichen wahren Ereignis und entwickeln daraus eine Beschwörungsformel. Der erste Zauberspruch soll Gefangenen helfen, ihre Fesseln zu lösen. Der zweite Spruch ist ein Heilungszauber für den verrenkten Fuß eines Pferdes. Die Aufnahme der Merseburger Zaubersprüche ins UNESCO-Weltdokumentenerbe ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Warum nicht zum Merseburger Zauberfest Ende Oktober? Es wäre ein magischer Moment.
Franckesche Stiftungen
Was für eine Karriere! Von der Armenschule zum Waisenhaus und demnächst zum Weltkulturerbe? Die Franckeschen Stiftungen mit ihrem weitläufigen historischen Gebäudekomplex haben gute Chancen, von der UNESCO in den erlauchten Kreis der bedeutenden Zeugnisse unserer Zivilisation aufgenommen zu werden. Mit 4 Talern und 16 Groschen hatte Pfarrer August Hermann Francke 1695 seine Armenschule eröffnet, aus der bald ein Bildungs- und Medienzentrum der damaligen Zeit erwuchs. Heute finden Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände eine ganze Reihe an Museen und Kulturdenkmälern. Bestaune die Kunst- und Naturalienkammer oder erkunde eine Bibliothek aus dem 17. Jahrhundert. Im historischen Waisenhaus hast du einen tollen Blick vom Dach und kannst Ausstellungen zur Geschichte der Stiftungen und zur Pietisten-Bewegung besuchen.
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Im Gebäude einer spätmittelalterlichen Bischofsresidenz präsentiert das Museum mehr als 500 ausgewählte Objekte seiner Sammlung von etwa 250.000 Gemälden, Grafiken, Fotos, Plastiken, Objekten des Kunsthandwerks sowie Münzen von der Antike bis in die Gegenwart. Geschichtsfans sollten sich das Gerichts- und das Festzimmer nicht entgehen lassen. Die prunkvollen originalen Räume sind über und über mit Ornamenten und allegorischen Szenen verziert und lassen Gäste in die Blütezeit der Salzstadt Halle eintauchen.
Für eine kulinarische Pause nach beeindruckenden Kunstmomenten offeriert das im Hof der Moritzburg gelegene MoritzKunstCafé ein vielfältiges Angebot im stilvollen Innenraum oder im luftigen Außenbereich.
Stadtbummel
Auf dem Marktplatz mit seinen fünf Türmen begegnen Gäste dem berühmtesten Sohn der Stadt, Georg Friedrich Händel, der hier mit einer Statue geehrt wird. Im Händel-Haus, in dem der Barock-Komponist 1685 geboren wurde, sind seine Werke und historische Musikinstrumente zu bestaunen. Anschließend geht es durch die verträumten Gässchen rund um den Dom. Besonders zu empfehlen ist die „Kleine Ulli“, die Kleine Ulrichstraße. Hier riecht es nach frischem Kaffee, und es erklingt stimmungsvolle Musik, die aus den vielen Cafés und Kneipen auf die Straße dringt.
Nur ein paar Schritte weiter erhebt sich die herrschaftliche Moritzburg mit dem Kunstmuseum. Dahinter fließt gemächlich der Mühlgraben, und nach einem kurzen Weg über die Würfelwiese gelangst du auf die Peißnitzinsel und zur Saale. Nicht nur zur Freude der Kinder dreht hier von April bis Oktober eine kuriose Parkeisenbahn ihre Runden. Von deren Haltestelle geht es über die Brücke der Freundschaft, dann durch die Parkanlagen auf der Ziegelwiese und wieder über den Mühlgraben zur Burg Giebichenstein. Die Burg beherbergt eine Außenstelle des Stadtmuseums mit einem Aussichtsturm. Nach einer Stunde Fußweg hat man hier einen herrlichen Blick auf und über Halle.
Planetarium
Durch die Himmelsscheibe von Nebra ist dein Interesse an astronomischen Phänomenen geweckt? Einen Blick ins All bietet Halles Planetarium allen Himmelsstürmerinnen und Himmelsstürmern. In einem ehemaligen Gasometer auf der grünen Salineinsel ist das Himmelstheater untergebracht. „Juwelen am Nachthimmel“ oder „Expedition ins Sonnensystem“ heißen die Programme für Erwachsene. Kinder können mit Eisbär Lars oder den grünen Olchis ins Weltraumabenteuer starten. Rechtzeitig reservieren.
Bootstour
An der Saale, genauer, bei der Peißnitzbrücke an der Ziegelwiese hält der Bootsverleih Halle von Mai bis Oktober Tretboote, SUPs und Kanus bereit. Für größere Touren oder nur mal eben eine Stunde im Herzen der Stadt.
Geiseltalsee – der größte seiner Art
Auf halbem Weg zwischen Halle und Naumburg liegt Deutschlands größter See, der von Menschen geschaffen wurde. Zuerst durch den Braunkohleabbau, dann durch Renaturierung der Fläche von 15 mal 5 Kilometern und das einströmende Saale-Wasser. Von inzwischen drei Aussichtstürmen lässt sich die neu entstandene Natur-, Kultur- und Freizeit-Landschaft überblicken. Drei Strandbäder und mehrere Badestellen laden zum Planschen, Schwimmen oder Tauchen ein. Radwege führen rund um den Geiseltalsee, Ausflugsschiffe befahren ihn, Freizeitkapitäne können in Mücheln Boote mieten. Und in der Zentralwerkstatt Pfännerhall erleben Besucherinnen und Besucher, was der Bergbau ans Licht brachte, und bekommen einen Einblick in die Erdgeschichte.
Tag 2: Naumburg
Vormittag
Am nächsten Morgen geht es weiter nach Naumburg. Die Fahrt dauert ab Halle etwa 50 Minuten. Die zwölf mittelalterlichen Steinskulpturen im Westchor des Naumburger Doms werden dich mit Sicherheit beeindrucken. Ihre Lebendigkeit und Ausdrucksstärke sind einfach unglaublich. Vielleicht geht es dir wie Umberto Eco und du bist fasziniert von der Schönheit der Stifterfigur Uta, oder das Lächeln Reglindis bezaubert dich.
Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken in dieser einzigartigen Kathedrale, in der sich Romanik und Gotik auf faszinierende Weise mischen: den Westlettner mit seinen Passionsreliefs und den naturgetreu gestalteten Pflanzenkapitellen oder die mit Figuren geschmückten Bronzehandläufe im Ostchor.
Wir empfehlen dir auch noch zwei besondere Touren: Bei der Turmführung geht’s vorbei an drei riesigen Glocken aus dem 16. Jahrhundert auf den Nord-West-Turm – von wo aus du einen grandiosen Blick über Naumburg hast (im Sommer Freitag bis Sonntag). Mit einem Audio-Guide erkundest du das Domschatzgewölbe, ein riesiges romanisches Gewölbe, in dem die sakralen Schätze in Szene gesetzt sind. Zum Abschluss empfehlen wir noch die Ausstellung zu den Werken des Naumburger Meisters im Obergeschoss der Westklausur auf dem Domgelände. Ein abschließender Spaziergang im Domgarten bietet Zeit zum Entspannen. Für Dom, Ausstellung und Garten kannst du einen ganzen Vormittag einplanen. Anschließend Mittagspause in der Altstadt, z. B. im Gasthof Zufriedenheit am Tor zur Weinregion Saale-Unstrut.






Nachmittag
Du hast die Wahl: In Naumburg kannst du dich auf die Spuren der alten Befestigungsanlagen begeben und dabei einen Spaziergang durch die Altstadt machen. Einige der Stadtmauern sind noch gut erhalten, und im Marientor kannst du das Museum für historische Bauten besichtigen. Alternativ lohnt sich vor allem bei sonnigem Wetter ein Ausflug an den Geiseltalsee. Etwa 20 bis 30 Minuten brauchst du mit dem Auto, um entweder zum Bootsverleih in Mücheln oder zum Strand Stöbnitz zu gelangen. Übernachtung in Naumburg oder am Geiseltalsee.
In direkter Nachbarschaft zum Dom nächtigst du in Naumburg z. B. im Alten Bischofshof.






Naumburger Dom: rauf und runter
Von April bis Oktober geht es für Himmelsstürmer freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen um 15 Uhr bei Turmführungen im Dom hoch hinaus. Oder auch tief hinunter, bei Archivführungen ins Domschatzgewölbe: Mehr als 30 erlesene Kunstwerke des Mittelalters und der Renaissance, wie die Johannesschüssel, die einzigartige Naumburger Pietà oder liturgische Prachthandschriften, sind hier zu sehen.
Domgarten
Eine Oase der Ruhe zu ebener Erde ist der Domgarten zwischen mittelalterlichen Mauern und Bastionen, in blühender Natur neben Teichen, die das Himmelslicht paradiesisch spiegeln. Er gehört zu den 50 schönsten und bedeutsamsten Parkanlagen der „Gartenträume“-Anlagen Sachsen-Anhalts.
Wehrhafte Altstadt
Von den einstigen Befestigungsanlagen Naumburgs sind noch die Wenzelsmauer, die Jakobsmauer und die Marienmauer erhalten. Das prächtige Marientor beherbergt ein Museum über die historischen Bauten.
Straßenbahn Naumburg
Sie wird Ille, Groschenhexe oder auch Wilde Zicke genannt: Die Straßenbahn von 1892 mit einer Spurbreite von einem Meter ist heute die kleinste Deutschlands mit täglichem Betrieb und eine der kleinsten Europas.
Stiftung Schulpforta
Seit 1543 besteht im Naumburger Ortsteil Schulpforte eine der ältesten staatlichen Schulen Deutschlands. Sie ist eine der drei Fürstenschulen, die Herzog Moritz von Sachsen gegründet hat. Musik, Naturwissenschaften und Sprachen werden hier besonders gefördert. Die berühmtesten Absolventen sind die Dichter und Philosophen Klopstock, Fichte und Nietzsche. Das historische Gebäude war Drehort vieler Filme, darunter „Das fliegende Klassenzimmer“, „Die Päpstin“ und „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“. Bei einem Rundgang erlebst du die besondere, erholsame Atmosphäre des Orts und baugeschichtliche Höhepunkte wie die aufwendig verzierte Zisterzienserkirche, den Kreuzgang oder die Mühle aus dem 12. Jahrhundert. Alternativ kannst du bei Themenführungen mehr über die berühmten Schüler erfahren, oder den lokalen Wein aus Pforta verkosten. Zudem gibt es einen Audioguide für eine selbst geführte Tour.
Tag 3: Nebra
Vormittag
Von Naumburg aus dauert die Fahrt zur Arche Nebra etwa 40 Minuten. Das Original der Himmelsscheibe liegt, wie du schon weißt, im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Gefunden wurde das einzigartige Stück aber unweit des namensgebenden Städtchens Nebra. Heute schwebt am Fuße des Mittelbergs die Arche Nebra wie eine goldene Barke über der Unstrut – ein architektonisches Highlight! Ihr digitales Planetarium nimmt dich mit auf eine 24-minütige Reise in längst vergangene Zeiten. Anschließend lohnt sich eine kleine Wanderung zum originalen Fundort auf dem Mittelberg. Ein Kunstweg stimmt dich auf das "Himmelsauge" ein, das dir am Fundort den Himmel zu Füßen legt. Vom dortigen Aussichtsturm blickst du weit ins Land. Anschließend Mittagspause, z. B. im Panorama-Café der Arche oder im nahe gelegenen Restaurant & Café Waldschlösschen.






Nachmittag
Nur etwa 10 Minuten von der Arche entfernt liegt die eindrucksvolle Klosterruine Memleben, wo Heinrich I. und Otto I. starben. Beide Herrschergestalten sind mit der deutschen Geschichte eng verbunden. Alternativ kannst du auch im Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland auf Wanderung gehen. Der Geopfad Nebra zum Beispiel ist ein knapp 10 Kilometer langer Rundweg, der Nebra und Wangen miteinander verbindet und auch an der Arche Nebra vorbeiführt. Anschließend Übernachtung in der Region oder Heimfahrt.






Am Museum für Vorgeschichte in Halle gibt es kaum Parkplätze, fahre lieber mit der Straßenbahn.
In Naumburg findest du in der Nähe des Doms kostenpflichtige Parkplätze.
Das Landesmuseum für Vorgeschichte erreichst du vom Bahnhof in Halle aus mit der Straßenbahn-Linie 7 in Richtung Kröllwitz (Fahrtzeit ca. 15 Minuten).
Vom Bahnhof in Naumburg zum Naumburger Dom brauchst du zu Fuß keine 10 Minuten.
Die Arche Nebra ist leider nicht ideal an den ÖPNV angebunden: Über die im Sommer stündlich verkehrende Buslinie 629 ist das Besucherzentrum an Nebra und Memleben angebunden.











