Ein geniales Wissensobjekt und der erste Kalender Deutschlands: Sachsen-Anhalts Chefarchäologe Harald Meller erklärt uns im Interview seine Sicht auf den spektakulären Fund – und er verrät seine Lieblingsplätze in Halle und Nebra.
Was macht die Himmelsscheibe von Nebra so einzigartig?
Die Himmelsscheibe ist eines der wenigen Artefakte, die uns die geistige Welt der vorgeschichtlichen Menschen vor 3.600 Jahren verstehen lässt. Worüber philosophierte man damals, welche Weltmodelle und Zeitvorstellungen hatten die prähistorischen Menschen? Vor dem Fund der Himmelsscheibe stocherten wir da ziemlich im Nebel herum, weil wir keinerlei Aufzeichnungen aus dieser Zeit haben. Die Himmelsscheibe gibt uns einen tiefen Einblick in die geistige Vorstellungswelt der Vorgeschichte und ist deshalb von außerordentlicher Bedeutung.
Was haben Sie empfunden, als sie die Scheibe zum ersten Mal gesehen haben?
Ich war völlig begeistert von ihrer Schönheit. Ich war erstaunt von der Qualität der Arbeit und von dem großen Gewicht der Scheibe – sie wiegt 2,3 Kilogramm. Mir war sofort klar, dass es ein sehr bedeutender Fund ist. Gleichzeitig war ich als eine Art verdeckter Ermittler und Mittelsmann da ja mittendrin in einem Krimi, denn Raubgräber hatten die Scheibe 1999 gefunden. Und nun wurde sie uns von Hehlern angeboten. Ich konnte die Himmelsscheibe nicht einfach nehmen und wegrennen, was ich am liebsten gemacht hätte, um sie zu retten. Wir wussten auch gar nicht, ob wir alles bekommen würden – auch die Beifunde, vor allem aber Informationen zur Fundstelle. Das ist uns gelungen, und das war ein großer Glücksfall.








